Jungfrau-Marathon Interlaken, 8. September 2007

Dieses Jahr reiste ich bereits am Freitag-Nachmittag mit dem Auto nach Interlaken. Ich fuhr um ca. 14 Uhr in Goldach los und kam ca. 17.30 Uhr in Interlaken an. Als erstes suchte ich den grossen Expo-Parkplatz beim ehemaligen „Mystery-Park“ und klärte vor Ort ab, ob zelten erlaubt sei. Nachdem ich das „Ok“ vom Platzabwart hatte, ging ich meine Startunterlagen im „Casino-Kursaal“ in Interlaken abholen. Nachdem ich die Startunterlagen hatte, schlenderte ich noch etwas durch die vielen Verkaufsstände. Kurze Zeit später begab ich mich wieder zum Parkplatz zurück. Dort baute ich das Zelt auf. Es hatte gerade so auf dem schmalen Streifen Wiese Platz. Im Innern stellte ich das Liegebett auf. Die Zeit verging sehr schnell und bevor es dunkel wurde, wollte ich noch etwas essen. Ivana hatte mir eine riesige Schüssel mit Pasta-Salat gemacht und noch etwas Knabberzeug zum Dessert gekauft.Etwas später kam noch ein Paar an. Sie stellten ebenfalls ihr Zelt auf. Nachdem wir etwas geplaudert hatten, gingen sie nach Interlaken etwas essen. Damit ich am Morgen nicht mehr all zu viel vorbereiten musste, richtete ich Laufkleider und Rucksack schon am Abend. Anschliessend genoss noch etwas die wunderschöne Abendstimmung. Um ca. 21.00 Uhr ging ich dann schlafen. So gegen 04.00 Uhr in der Früh wurde mir kalt. Ich nahm noch eine Wolldecke in den Schlafsack und wickelte diese um mich. Schnell wurde mir wieder warm und ich schlief wieder tief und fest. Um 06.00 Uhr wurde ich vom Wecker aus dem Schlaf gerissen. Länger schlafen wäre auch nicht möglich gewesen, da ab 6 Uhr die ersten Läufer mit den Autos auf den Parkplatz fuhren. Der Parkplatz füllte sich in kurzer Zeit. Der blaue Himmel am Morgen sagte schon alles. Es würde ein wunderschöner Tag werden. Als erstes verräumte ich mein Nachtlager und brach das Zelt ab. Jetzt war es schon relativ hell und ich „genoss“ mein Frühstück (Choco-Drink, Toastbrot, Mini-Pic, Nuss-Rolle), welches mein Schatz Ivana für mich gekauft hatte. Nach dem Morgenessen blieb ich noch etwas auf dem Parkplatz. Meine Zeltnachbarn gingen schon früher nach Interlaken, da sie noch die Startunterlagen holen mussten. Ich nutzte die mir noch bleibende Zeit für einen ausgiebigen WC-Besuch. So gegen 07.45 Uhr bestieg ich einen Shuttle-Bus und fuhr ebenfalls nach Interlaken.
Als erstes gab ich meinen Rucksack mit den Wechselkleidern ab. Dieser wurde vom Organisator auf die Kleine Scheidegg transportiert. Dann schlenderte ich nochmals durch den „Casino-Kursaal“ (dort war es nämlich auch warm). Langsam aber sicher setzte sich die Sonne durch. Über all hatte es Läufer. Jeder bereitete sich anders auf den bevorstehenden Start vor.
Auf dem Weg zu meinem Startblock traf ich dann noch Edi (!xabbu) aus dem Streaker-Forum (http://www.streakrunner.de). Gemeinsam gingen wir weiter zum Start. Dann um Punkt 09.00 Uhr der Startschuss (besser gesagt Start-Kanonenschuss). Die ersten 2 Minuten passierte mal nichts. Kleine Schritte führten uns Richtung Startlinie. Dann nach rund 2½ Minuten überquerte ich die Startlinie. Wir konnten nun richtig laufen und unseren eigenen Lauf-Rhythmus suchen. Ich verabschiedete mich von Edi. Ich hatte mir vorgenommen, während des gesamten Marathons immer wieder anzuhalten und Fotos zu machen. Die ersten 3km führen durch Interlaken. Schon jetzt hat es überall an der Strecke sehr viel Publikum. Die Stimmung war auf den ersten Kilometern schon fantastisch. Dann kam der erste Verpflegungsposten. Das Feld war hier noch eher zusammen und die Tische waren schon dementsprechend schnell leer. Die Helfer füllten aber unermüdlich wieder Becher mit Iso-Getränken und Wasser auf. Auf den ersten 10 Kilometern passierte mir ein dummer Fehler. Ich verpasste einen oder zwei Tische mit Gels (ich liebe diese Dinger!). Dies bekam ich dann auf den letzten 2 Kilometern zu spüren. Direkt an der Seepromenade des Brienzersees entlang geht es dann Richtung Wilderswil, wo die erste Steigung auf uns Läufer wartet. Vor dieser Steigung, heisst es nochmals tüchtig essen, trinken und eine kurze Verschnaufpause gönnen. Nachdem ich die wunderschöne, alte Holzbrücke in Wilderswil überquert hatte, folgte die angekündigte Steigung. Das Tempo im Läuferfeld änderte sich schlagartig. Einige legten die ersten Gehpausen ein, andere versuchten wie ich trotz der Steigung den Rhythmus zu halten. Es geht nun stetig aufwärts. Die Wege werden jetzt eher schmal. Teilweise so schmal, dass es immer wieder Rückstau gibt. In Zweilütschinen bei Kilometer 15 ist es kurze Zeit etwas flacher. Doch kaum aus dem kleinen Dorf heraus, geht es schon wieder weiter aufwärts Richtung Lauterbrunnen. Bis Lauterbrunnen läuft man meistens auf Naturstrassen. In Lauterbrunnen, bei Kilometer 20, ist wie jedes Jahr das ganze Dorf am Anfeuern. Hat man hier die ersten Probleme, sind diese Ausgangs des Dorfs wieder vergessen. Man wird förmlich vom Publikum durch Lauterbrunnen getragen. Nach Lauterbrunnen ist die Hälfte geschafft (1:58:25,4). Im Tal geht es jetzt weiter aufwärts zum Wendepunkt. Auf beiden Seiten steile Felswände. Bis nach Kilometer 22 liefen wir auf der „Sonnenseite“ des Tals des Trümmelbaches entlang das Tal hinauf. Die nächsten 3 Kilometer dann auf der „Schattenseite“ wieder herunter.
Die Abkühlung am Schatten tat gut, denn bei Kilometer 26 beginnt sie – „Die Wand“. Das sind 26. Serpentinen (ca. 500 Höhenmeter, 4 km) bis Wengen Bahnhof (30 Kilometer). Am Anfang noch breit und asphaltiert, dann immer schmaler und steiler. Aus dem asphaltierten Strasse wird ein Kies-Weg. Viele Läufer gehen. Ich versuche auch hier so viel wie nur möglich zu laufen. Es sind wenige die noch laufen. Ein Pärchen (sie liefen dann übrigens unmittelbar vor mir ins Ziel) lief den gleichen Rhythmus wie ich. Gemeinsam „pflügten“ wir uns durchs „gehende“ Feld. Serpentine um Serpentine liefen wir Richtung Wengen. Erst nach ca. 1km nonstop aufwärts laufen musste ich in den Laufen-Gehen-Rhythmus wechseln. Doch auch so war ich immer noch etwas schneller als viele andere Läufer. Das Gehen wurde mir bald zu langweilig und ich lief wieder. Ca. bei Kilometer 28 kommt man aus dem Wald und läuft dem Hang entlang. Hier ist es kurz flach. Zeitweise geht es sogar etwas abwärts. Es reicht gerade für eine kurze Erholung (sollte unbedingt genutzt werden), denn dann geht es gleich wieder aufwärts und von erholen kann keine Rede sein.
Jetzt ist Wengen schon sehr nahe. Das nächste Teilstück ist wieder asphaltiert. Vom Verpflegungsposten aus kann man sehr gut die weitere Strecke einsehen). Im Moment geht es „nur“ aufwärts. Ein etwas zügigeres Laufen ist allemal möglich. Dann, nach 30 anstrengenden Kilometern, ist Wengen erreicht. In Wengen (bin jetzt ca. 3h unterwegs) ist wie jedes Jahr Superstimmung. Die Strassen sind mit hunderten von Zuschauern gesäumt. Alle feuern die Läufer an. Auch hier wird man förmlich „getragen“. Bis zum Bahnhof geht es etwas abwärts und dann, wie könnte es anders sein, gleich wieder aufwärts. Je weiter es aufwärts geht, desto herrlicher wird die Aussicht.
Herrlicher Ausblick auf Wengen von Kilometer 32 aus. Auf dem nächsten Kilometer sehe ich dieses Jahr zum ersten Mal die Eisenbahn, welche Zuschauer und Gepäck auf die Kleine Scheidegg transportiert. Doch jetzt war noch nicht der Zeitpunkt da, um sich auf die Bahn zu freuen. Jetzt ging es erstmal noch weiter zünftig aufwärts. Als ich im Jahr 2004 lief war es ebenfalls sehr schönes Wetter. Was ich aber dieses Jahr erleben durfte, war unglaublich. Das Bergpanorama war so gestochen scharf, einfach unfassbar. Ich glaube schöner geht nicht. Das Stück von Wengen nach Wixi lief ich in ca. 1h. Auf diesem Stück geht es eher gleichmässig aufwärts. Bis auf wenige Stellen fast problemlos zu laufen. Tönt jetzt sehr locker, aber wer mich kennt weiss, dass ich sehr gerne aufwärts laufe.
Kurz vor der Wengener Alp sieht man zum ersten Mal den Aufstieg zur Eiger Moräne. Schon jetzt sieht es nach „Stau“ aus. Dort ist es sehr steil und schmal und Überholen ist eigentlich nicht möglich. Ausser man läuft paralell zum Weg in der Wiese. Doch noch bin ich nicht dort. Zuerst den Aufstieg zur Wengener Alp beenden, dann etwas abwärts laufen bis zur Skistation. Doch vorher kann man zum ersten Mal die Kleine Scheidegg sehen. Dort dann ausgiebig verpflegen und den letzten Aufstieg in Angriff nehmen.
Die letzten 2 Kilometer sind die Belohnung für all die Anstrengung und Schmerzen. Das Panorama, der Schnee einfach alles ist wunderschön. Doch auch alles Schöne hat Schattenseiten. Ich bekam einen Hungerrast und dies weil ich ja am Anfang ein Verpflegungsposten sozusagen „übersehen“ hatte. Doch stehen bleiben und das Reserve-Gel aus dem Trinkgurt zaubern war nicht drin. Ich wollte weiter aufwärts laufen und das einmalige Gefühl auskosten. Plötzlich sehe ich einen weissen Plastikteller mit Schokolade. Die Rettung! Auch wenn der Weg hier nicht sehr breit war, hatte es sehr viele Zuschauer. Übrigens der Schotte mit dem Dudelsack steht jedes Jahr da (auch wenn es schneit).

Der letzte Kilometer! Das Leiden hat ein Ende! Oder leider ist es gleich vorbei. Dies war glaube ich der erste Wettkampf wo ich keinen Endspurt anzog. Ich wollte das Gefühl dieses Marathons so lange wie nur möglich auskosten. Auf den letzten 500m blieb ich zwei Mal stehen und machte Fotos (das letzte Foto wurde auf dem Zieleinlauf-Video festgehalten). Eine Zuschauerin schaute mich an und verstand die Welt nicht mehr. Alle spurteten ins Ziel und ich blieb stehen und machte Fotos. Versuchte ihr klarzumachen, dass dieses Foto einfach sein musste. Weiss nicht ob sie es verstand. Dann der Zieleinlauf: Auch ohne Endspurt einfach genial. Ein paar Meter nach der Ziellinie wurde mir schon die Medaille um den Hals gehängt und ein Getränk in die Hände gedrückt. Als sich die Leute etwas verteilten und es ruhiger wurde, rief ich meinen Schatz an und teilte ihr mit, dass ich gut angekommen war.
Anschliessend machte ich mich auf Richtung Gepäck. Wie im 2004 hatte es sehr viele Zuschauer und Läufer auf der Kleinen Scheidegg. Teilweise war fast kein Durchkommen möglich. Es war sehr viel Geduld gefragt. Ich warf einen ersten Blick auf die eindrückliche Eiger Nordwand. Für mich ein Rätsel, wie man da hoch klettern kann. Auf der Kleinen Scheidegg hat es sehr schöne Hotels. Doch das kannte ich alles schon. Ich wollte jetzt nur noch mein Gepäck holen, Chip gegen T-Shirt tauschen und duschen.
Die Dusche war auch dieses Jahr einfach perfekt organisiert. Das Wasser war angenehm warm und man musste praktisch nicht anstehen. Wie es der Zufall wollte, hatte ich meine Kleider neben einem Läufer deponiert, der dieses Jahr auch in Basel gestartet war. Wir plauderten kurz miteinander und dann suchte ich mir einen Platz unter der Dusche. Als ich aus dem Duschzelt kam zog ich gleich die mitgebrachte Mütze an. Ich wollte mich nicht erkälten. Direkt beim Duschzelt gab es kleine Linzertörtchen zur Stärkung. Ich nahm drei Stück und machte mich auf Richtung Zug. Etwas weiter unten kaufte ich mir noch ein grosses Sandwich mit Schinken. Tat das gut! Irgendwie hatte ich es geschafft innerhalb von knapp 60min zu duschen und in den Zug Richtung Auto zu steigen. Dies hatte den Vorteil, dass ich nicht allzu lange auf den nächsten Zug warten musste. Ein weiterer Vorteil war, dass der Zug nicht so überfüllt war. Ich konnte sogar einen Teil der Fahrt sitzen. Die Bahnfahrt war wie das letzte Mal. Ätzend langweilig und dauerte ewig! Einige Läufer hatten Probleme mit dem Magen. Grosse Plastiksäcke für die Läufer in der Mitte, die Anderen hielten die Köpfe aus dem Fenster. Der erste Halt in Wengen. Kurze Pause und gleich ging es weiter Richtung Lauterbrunnen. Dort dann umsteigen und weiterfahren Richtung Interlaken. Vom Bahnhof Interlaken dann mit dem Shuttle-Bus zum Parkplatz. Bevor ich abfuhr ass ich noch ein Linzertörtchen und trank ausgiebig.
Der Jungfrau-Marathon 2007 war ein wunderschönes Erlebnis. Laufgenuss pur! Ob ich nochmals an den Start gehen werde steht noch offen. Eher nicht, da es eigentlich nicht mehr schöner sein könnte.
Resultat: 4:53:21, 488. Rang

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