12h-Lauf Brugg, 19./20. September 2015

Mein erster Podestplatz

Seit meinem letzten 12h- oder 24h-Lauf war viel Zeit vergangen. Die positiven Aspekte dieser Läufe hielten sich meistens die Waage mit den Negativen. Gesetzte Ziele, 100km oder nicht schlafen gehen oder auch mal längere Zeit gehen, erreichte ich selten bis nie. Darum wollte ich eigentlich nicht mehr an solchen Läufen teilnehmen. Nach meiner (fast) erfolgreichen Berggasthaus-Tour 2015 änderte ich meine Meinung. Denn wer  im Gebirge 18.5h am Stück laufen kann, der wird wohl auch  12h auf einem flachen Rundkurs laufen können. Darum meldete ich mich spontan für den 12h-Lauf in Brugg an.

Rund zwei Stunden vor dem Start traf ich in Brugg ein. Als erstes suchte ich das Zelt von meinem Laufkollegen Marcel Knaus. Er lief den 24h-Lauf und war mit seiner Familie und Betreuern vor Ort. Ich durfte meine Verpflegung und Kleider bei ihm im Zelt deponieren. Nicht nur das. Seine Betreuer versorgten auch mich mit Getränken oder Essen. Um Mitternacht erfolgte der Start. Ich lief die ersten Runden natürlich viel zu schnell. Nach 3h war ich bereits 30 Runden gelaufen. Das linke Bein begann immer mehr zu schmerzen. Die Schmerzen wurden immer schlimmer und strahlten bis in die Hüfte. Mein Bauchgefühl sagte mir: Wechsle den Laufschuh! Und siehe da, die Schmerzen verschwanden wieder. Um 5 Uhr morgens hatte ich meine erste grosse Krise. Mein Körper war müde und wollte schlafen. Ich trank einen „Winforce Booster“ und lief einfach weiter. Eine Runde später war die Krise bereits vergessen.

Bei Rennhälfte wechselte ich meine Laufkleider, damit mir nicht kalt wurde. Meine Beine wurden langsam etwas müde. Um mich etwas zu erholen ging ich ab und zu eine Runde. Langsam wurde es hell. Bis jetzt war meine längste Pause der Kleiderwechsel gewesen. Dies wollte ich auf keinen Fall ändern. Also ass ich mein Frühstück während dem Gehen. Gegen 10 Uhr zeigte sich dann sogar die Sonne und es wurde richtig warm. Ich zog die Ärmlinge aus und gab sie Silvio. Auch jetzt noch wollte ich nicht unnötig stehenbleiben und Zeit verlieren. Mein „Ziel“, 12h in Bewegung zu bleiben, wollte ich auf jeden Fall erreichen.

Die letzte Stunde war die Anstrengendste und gleichzeitig die Schönste von allen. Das Ende war greifbar! Um 11:54 Uhr lief ich die letzte Runde. Eine weitere lag nicht mehr drin. Ich lief gemütlich zum Zelt und gratulierte Marcel. Als ich mich etwas erholt hatte, begann ich meine Verpflegungs- und Kleiderkisten zum Auto zu tragen. Nachdem ich mich umgezogen hatte, begann das grosse Warten bis zur Siegerehrung. Da ich nicht mit einem Podestplatz gerechnet hatte, setzte ich mich ganz oben auf der Tribüne hin. Der Weg hinunter zum Podest war dann schon eine Herausforderung, aber für einen Pokal nimmt man sehr viel auf sich.

Mit dem 2. Rang in der Hauptklasse hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Das war der perfekte Saisonabschluss. Ich lief in 12h, ohne eine Schlaf- oder grössere Verpflegungspause 81.327km.

Herzlichen Dank an die Familie von Marcel, Rodger und Silvio für die Betreuung während des Laufes! Ihr wart einfach super!